15 Diese Momente zeigen, dass ein gemeinsames, religiöses Vokabular fast nicht mehr existiert. Aber wie spricht man mit neuen Worten über «Dinge», die grundlegend zum christlichen Glauben und zur Feier des Glaubens gehören? Hier besteht Handlungsbedarf: Wir müssen eine verbindende Sprache mit jüngeren Generationen finden, damit wir über unseren Glauben sprechen können. Aber wir dürfen erfahren, dass sie interessiert sind an unserem Leben und offen für Fragen des Glaubens. Wir spüren, Gott hat in ihrem Herzen einen Platz. Am runden Tisch «Gott einen Ort sichern», heisst einen Raum schaffen, um die Frohe Botschaft miteinander zu teilen. In unserem wöchentlichen «glaubenskafi» lesen wir einen Evangeliumsabschnitt aus der Bibel. Wir nehmen uns Zeit fürs Zuhören und den Austausch, was der Text uns sagen möchte. Alle Beiträge in dieser bunt gemischten Gruppe tragen zu einer Vertiefung des eigenen Glaubens bei. Das Wort Gottes wird durch die verschiedenen Sichtweisen konkret und lebendig. Für einige ist das «Bibel teilen» eine neue Erfahrung, für alle Teilnehmenden aber eine stärkende. Das Gebet als Kraftquelle Wenn Frauen mit uns im «baldegger kloster l.i.f.e» das klösterliche und gemeinschaftliche Leben teilen, dann gehört das gemeinsame Beten selbstverständlich dazu. Das Gebet bestimmt den Rhythmus des Tages. Die Gebetszeiten ermöglichen oft neue Entdeckungen. Da wird erfahren, dass das gemeinsame Schweigen vor der Christusikone eine Hilfe ist, die inneren Bewegungen besser wahrzunehmen. Manchmal werden Worte der Psalmen zu sprechenden Bildern des eigenen Lebens. Die Sorgen des Alltags, die Sorge um das Wohl geliebter Menschen und um die ganze Schöpfung dürfen Gott anvertraut werden. Die Zeit des Gebetes wird zu einer kostbaren Zeit für sich selber – frei von Hektik und Druck. Es ist die Erfahrung unverzweckten Daseins und will den Menschen nähren wie das tägliche Brot. Verborgene Suche Jeder Mensch trägt die Sehnsucht nach einem sinnerfüllten Leben in sich. Viele suchen nach den Spuren Gottes in ihrem Leben. Menschen finden zu uns, die sich bewusster auf ihren Lebens- und Glaubensweg einlassen möchten und deshalb nach einer «Geistlichen Begleitung» fragen. Das Mitgehen auf diesem Weg ist ein Geschenk, das wir einander als Glaubende geben können. Wir erfahren aber auch, dass die Suche nach Gott oft anonym und verborgen gelebt wird. Dann ist nicht der persönliche, direkte Kontakt gefragt, sondern die Wegbegleitung über Internet. «Glauben? – ja natürlich!» Dieser Slogan hing als grosses Plakat an unserer Scheune direkt an der Hauptstrasse. Ist dieses zu lesen als Provokation? Überforderung? Einladung? Wir hoffen, dass die Menschen bei uns erfahren, dass der Glaube etwas ganz Natürliches ist und zum Leben und Menschsein gehört. Dies möchten wir mit unserem alltäglichen Leben zum Ausdruck bringen. Wir dürfen dazu beitragen, Gott einen Ort zu sichern. Bibelteilen in der Gemeinschaft «kloster l.i.f.e.»
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