7 heit. Da bringt das Warten auf das Wochenende oder auf die Ferien nicht, was wir brauchen. Ruhige Bewegungen sind schön – schöne Bewegungen wirken ruhig Haben Sie in einer Ausstellung schon hektische Menschen angetroffen? Können Sie sich den Dirigenten Nicolas Harnoncourt mit hässlichen Bewegungen vorstellen? Erinnern Sie sich an betende Menschen, sie sind immer schön anzuschauen. Menschen, die auch mal die Hände in den Schoss legen können, schaffen eine ruhige Atmosphäre. In solcher Atmosphäre erholen wir uns. Wir kennen das andere auch, aus eigener Erfahrung wie aus Beobachtung und Mitbetroffensein. Wenn uns Aktivismus umtreibt, sind unsere Bewegungen meist eckig, überschiessend, unnütz verausgabend. Wir machen dann meist eine schlechte Figur. Unser Umfeld kommt nicht ungeschoren davon. Und wenn wir Menschen hektisch und angestrengt durchs Haus hetzen sehen, macht das einen hässlichen, unschönen Eindruck, der nerven kann. Hässliches strengt an, ermüdet – Schönes belebt, ist erholsam. Das ist auf der ganzen Linie so. Takt ermüdet – Rhythmus belebt Wer Sinn für Rhythmus hat und in seiner Arbeit über eine kürzere oder längere Zeit in einen starren Takt eingebunden war, weiss um den Segen von Ausruhzeiten. In unserer Zeit finden wir meist einen Takt vor, den Rhythmus müssen wir selber finden. Pausen, Mittagsruhe, Feierabend, Nachtruhe oder gar Sonntagsruhe finden wir nicht mehr vor, wir müssen sie setzen, wenn wir sie wollen. Und wir können sie nur wollen, wenn wir spüren, dass sie für unser Menschsein grundlegend, entscheidend sind. Den Tag, die Woche, das Jahr rhythmisch leben, in einer guten Balance von tun und geschehen lassen, von arbeiten und ruhn, von schaffen und feiern ist in der Einübung anstrengend und erst als gut erlernte Lebenskunst entlastend, erholend. Und ist ohne Disziplin gar nicht zu haben. Jede erlernte Kunst aber bedarf der andauernden Übung. Das zeigt der Tagesablauf der Mönche deutlich. Achtmal am Tag unterbrechen sie die Arbeit durch das Chorgebet, dreimal durch gemeinsame Mahlzeiten, einmal durch gemeinsame Rekreation. Dass ein solcher Tagesrhythmus über Jahrhunderte gültig bleibt, spricht für ihn. Die Ruhe, die von diesen Menschen ausgeht, macht ihre Praxis glaubwürdig. Der monastische Kreuzgang als Raum des Ausruhens Der grosszügige Kreuzgang des Klosters Hauterive ist auf den ersten Blick ein «überflüssiger» Raum. Er ergibt sich aus dem Zurücktreten der übrigen monastischen Räume, die alle einen nützlichen Zweck erfüllen: die Kirche, der Kapitelssaal, die Bibliothek, das Refektorium, die Küche, die Zellen, die Werkstätten und das Gästehaus. Die monastische Tradition hat es gewollt, dass diese Räume zurück gesetzt sind, um einem nutzlosen Raum Platz zu machen. Und dieser nutzlose Raum wird zufällig zum Mittelpunkt, zum Herzen des Klosters. Er symbolisiert das verlorene Paradies, aus dem der Mensch vertrieben wurde. Es ist der Ort, an dem das Licht vorherrscht, die Vögel singen, an dem ein weiter Garten voller Blumen und Düfte angelegt ist, in dem zwei Brunnen plätschern. Hier gehen die Mönche auf und ab, ruhen von der Arbeit aus, atmen frische Luft, geben ihren Gedanken freien Lauf, lassen sich von Sonne und Wind berühren. Das verlorene Paradies ist dem Herzen des Menschen eingeschrieben, innerhalb und ausserhalb der Klostermauern. Es zeigt die Grundsehnsucht des Menschen, ganz zu sein im Mitwirken an der Schöpfung durch seine Arbeit und im Ruhen am Herzen Gottes. Und das ist möglich, wenn im Alltag das Zweckgebundene und Nützliche dem Nutzlosen und Überflüssigen Raum gibt. So kann uns die monastische Lebensweise ermutigen, mitten in der Welt, im ganz Alltäglichen, immer wieder zurück zu finden zum verlorenen Paradies Hertensteiner Begegnung mit Andreas Felger und seinen Aquarellen und Skizzen am 3./4. Februar 2007 in der Stella Matutina in Hertenstein Diese Begegnung geschieht im Rahmen einer Ausstellung der Aquarelle und Skizzen, die Andreas Felger für die Gestaltung der Bibel 2006 ausgewählt hat. Das Buch «Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers mit Bildern von Andreas Felger», ist soeben im Buchhandel erschienen. Weitere Informationen zu dieser Begegnung erhalten Sie stellamatutina@baldeggerschwestern.ch
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