baldeggerjournal

8 Sie beten viel und tun dies gerne. Dieser Satz hat den Pressetext zum Film himmelreichschweiz – Kloster eröffnet. Über mich selbst würde ich sagen: Sie filmt viel und tut dies gerne! Jetzt jedoch ist Ruhezeit. Kein Filmprojekt, das drängelt. Ausruhen ist angesagt und dies bereits seit mehreren Wochen. Von diesem Ausruhen, so hat mich Sr. Marie-Ruth Ziegler gebeten, soll ich erzählen. Es ist Mitte Oktober. Ich bin auf der Fafleralp im Lötschental. Um das Bietschhorn herum schleichen kleine Fetzen von Nebel. Ich sehe den Berg von meinem Zimmer aus. Er ist mächtig und so schön. Die Alp habe ich während früherer Dreharbeiten kennen gelernt. Hier bei Gastgeber Christian Henzen im Hotel Fafleralp bin ich gerne. Ein idealer Ort um mir Gedanken über das Ausruhen zu machen. Deshalb bin ich für ein paar Tage ins Wallis gefahren. Glück gehabt, dass ich für das baldeggerjournal einen Artikel schreiben darf. Wer Filme macht, arbeitet sehr unregelmässig, ist oft unterwegs und für längere Zeit von zu Hause abwesend. Tage mit zehn und mehr Arbeitsstunden sind keine Seltenheit. Abends plumpse ich jeweils müde in fremde Betten. Während den Dreharbeiten eines Filmes gibt es kaum persönliche Freiräume. Meine ganze Energie brauche ich für den Film, der entstehen soll. Die meisten Menschen, Hart arbeiten und hart ausruhen! Marianne Erne, Staufen die in einem meiner Filme mitwirken, tun dies zum ersten Mal. Da braucht es Sorgfalt im persönlichen Umgang. Ich möchte später wieder zurückkehren können an den Ort der Dreharbeiten. Mit guten Gefühlen. Sind die Filmaufnahmen abgeschlossen, die Hektik der Dreharbeiten vorbei, tauche ich ein in diese künstliche Filmwelt. Fortan sitze ich nun in abgedunkelten Räumen. Wochenlang. Jetzt sind die Menschen auf Video ganz in meiner Obhut. Manchmal halte ich mit ihnen Zwiesprache bis spät in die Nacht hinein. Ich bin eingehüllt in einen Kokon von Videomaterial. Ich sortiere. Ich suche die besten Interviewpassagen und die schönsten Momente aus. Ich bereite den Filmschnitt vor. Später im Schneideraum montiert die Cutterin, gemeinsam mit mir, den Film. Filmzeit ist nie Echtzeit! Die Montage ist mein Abbild einer von mir gestalteten Wirklichkeit. Komprimiert. Das gefilmte Leben fährt Schnellzug. Es rast an mir vorbei. Ohne Ruhezeiten. Und irgendwann sind die letzten Bilder und Töne montiert. Der Anfang hier - das Ende dort. Und ich? Ich werde unsanft zurück ins wirkliche Leben geschubst. Manchmal ist das sehr unangenehm. Ganz besonders dann, wenn der Film gelungen ist und die schöne Arbeit ein Ende hat. Dann brauche ich Ruhe. Ab sofort bin ich zuhause beruflich für niemanden zu sprechen. Ich lasse das Telefon klingeln und die ankommenden SMS summen. Manchmal schreckt mich das alte Faxgerät auf. Es spuckt ein Papier aus: «Bist du zuhause? Schaust du wieder stundenlang den Staufberg an? Ich möchte dir telefonieren!» Gruss Frank. Mein Kameramann kennt mich gut. Über mein langes Schweigen, das mir langes Nachdenken ermöglicht, schmunzelt er. Er, der immer mit der ganzen Welt «connected» ist. Dann nehme ich den nächsten Anruf ausnahmsweise entgegen. Der Volksmund sagt: «Sie hat hart gearbeitet,» und meint damit, sie hat viel und lange gearbeitet. Meist ohne längere Pausen. Niemand kommt auf die Idee und sagt: «Sie hat baldegger schwestern Marianne Erne, Fafleralp

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