baldeggerjournal

10 Ausruhen - in Einklang sein baldegger schwestern Sr. Annelis Kurmann, Weinfelden Die Begriffe ausruhen, zur Ruhe kommen sind vielfach verbunden mit freien Stunden und Tagen, mit Ferien, mit der Ruhe der Nacht, mit der ewigen Ruhe, die wir unseren Verstorbenen betend wünschen. Dabei ist Qualität der Ruhe aber eine je andere: Mit freien Stunden und Tagen verbinden wir vielleicht ein Tun, das nicht leistungseffizient sein muss; mit Ferien einen Zeitraum, der Distanz zum Alltag schafft und Auftanken lässt; mit der Ruhe der Nacht die Erholung von den körperlichen, psychischen und seelischen Strapazen des Tages und mit der ewigen Ruhe bezeichnen wir vollendete Wirklichkeit, Leben in Fülle. Sehnsucht nach Ruhe hat tiefe biblische oder treffender gesagt göttliche Wurzeln. Als das grosse Werk der Schöpfung vollbracht war, ruhte Gott am siebten Schöpfungstag, und er feierte sein Werk. «Er segnete den siebten Tag und er erklärte ihn für heilig» (1Mos 2.2). Wir Menschen sind Gottes Ebenbild und als solche tragen auch wir die Sehnsucht nach Ruhe in uns. Die Ruhe ist uns schon geschenkt: – Zwischen jedem Atemzug liegt ein Augenblick der Ruhe. – Zwischen zwei Tagen ist die Ruhe der Nacht. – Die eine Arbeitswoche wird unterbrochen durch den Sonntag, den Tag der Ruhe. Diese Ruhe ist kostbar. Sie dient der Erholung. Doch dies genügt nicht. Ruhe meint noch mehr. Ruhen heisst auch geborgen sein, beheimatet und befriedet sein, in Einklang sein mit sich selber, mit der Umwelt, mit Gott. Und ausruhen heisst dem zufolge von all dem erfüllt sein. «In das Land seiner (Gottes) Ruhe kommen» ist ein Geschenk. Dieser Ausdruck erinnert an die Geschichte des Volkes Israel, an seinen Auszug aus Ägypten, seine 40-jährige Wüstenwanderung und eben an die Landnahme, die Heimat und Geborgenheit bedeutete. Voraussetzung für die Landnahme war das Hören auf die Stimme Gottes und das Halten seiner Gebote. Ausruhen bei und in Gott hat auch etwas mit Heimat und Geborgenheit zu tun, mit Dasein können ohne aufbrechen zu müssen hinein in neue Wanderungen und Unsicherheiten, hat etwas zu tun mit ankommen und trinken aus den Quellen des Lebens, mit angenommen sein und Kraft schöpfen, in Einklang kommen mit sich selbst, mit einer Zustimmung zu dem, was ist. Doch das Ausruhen bei Gott ist nicht machbar und nicht verfügbar, es ist ein Geschenk. Es kann sich an unerwarteten Orten ganz unerwartet einstellen. Bevor ich im Gebet ausruhen kann, muss ich erst einmal zum Beten kommen, zum Gespräch mit Gott und zum Hören auf ihn. Es kann hilfreich sein, bestimmte auch mündliche Gebete wie den Rosenkranz oder das Stundengebet der Kirche zu pflegen. Gemeinsame Orte und gleiche Zeiten können gute Voraussetzungen zum Beten schaffen. Doch beten heisst nicht notwendigerweise schon ausruhen. Das Ausruhen bei Gott wird möglich, wenn unsere Seele vom Schweigen berührt wird. Besonders die Meditation und Kontemplation führen zur Ruhe und zum Ausruhen. Dasein mit Leib, Seele und Geist, sich von Aktivitäten des Körpers und der Sinne befreien. Einfach Zeit haben, auf sich selber und auf Gott hören und sich von ihm lieben lassen, ihm danken und neu werden. Das ist nicht einfach. Manchmal ist da ein wahrer Auszug notwendig, ein Durchgang durch viel gedankliches und emotionales Gestrüpp, ein Loslassen von Liebgewordenem und Gewohnheiten, ein Durchzug durch die Wüste mit Durst nach Quellwasser oder einer Karawane. Die Meditation führt hinein in die Ruhe und in den Einklang mit sich selber, mit der Umwelt, mit Gott. Sie führt aber auch wieder heraus ins handelnde Dasein. «Stille und Stadt» Wenn sich in der Seele Schweigen einstellt, heisst in Gott ausruhen schon an die Oase kommen, wo unser Durst gestillt wird. Frère Roger Schutz

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