baldeggerjournal

11 bedingen einander, das zeigt uns das Leben von Franziskus. Er war unten in der Ebene, in der Portiunkula oder oben in den Carceri anzutreffen, und er teilte das Leben auch mit den Menschen in der Stadt Assisi und anderen Städten, in die er zog. Die Klöster haben von ihrem Lebensrhythmus her reiche Ruhe-Schätze anzubieten: einen geordneten Tagesablauf, Oasen des Gebetes und der Meditation, Orte der Stille und der Sammlung, Zeiten des äusseren Schweigens. Doch diese Schätze sind nicht einfach zu haben, schon gar nicht zu kaufen. Sie müssen im Einüben, Dranbleiben und im absichtslosen Tun gepflegt werden. Gott selber ruhte am siebten Tag. Der Sabbat ist der Tag, an dem die Ruhe geschaffen wurde, und Gott heiligte ihn. Der Sabbat ist ein grosses Geschenk Gottes an die Menschen. Er ist das Angebot, nach all unseren Anstrengungen und Arbeiten einmal alle sieben Tage zu Hause zu sein, bei ihm zu Hause zu sein, um zu ruhen und zu feiern, um sich zu erinnern, dass nicht unser Tun und Sorgen den Lauf der Dinge und der Welt in der Hand hält. Was Ruhe beinhaltet, drückt ein Sabbat-Gebet aus: «Ein Tag der Ruhe und der Heiligkeit … eine Ruhe in Liebe und Weitherzigkeit, eine wahre und echte Ruhe, eine Ruhe, die Frieden und Gelassenheit, Heiterkeit und Sicherheit verleiht, eine vollkommene Ruhe, an der du Gefallen hast.» Von der grossen Bedeutung der Ruhe und des Vertrauens sprechen auch die Propheten im Alten Testament. Das Wort des Propheten Jesaja hat auch für Christinnen und Christen bleibende Gültigkeit. «In Umkehr und Ruhe liegt euer Heil, in Stille und Gelassenheit liegt eure Kraft. Ihr aber wollt nicht hören, ihr sprecht: Nein auf Rossen (lies: in Autos) wollen wir rennen! Drum sollt ihr rennen: in den Abgrund! (30.15f). Im Christentum feiern wir an Stelle des Sabbats den Sonntag als Tag der Auferstehung Christi. Er ist für uns der Tag der Ruhe und des gemeinschaftlichen Feierns. Christus hat seinen Jüngern am Abend der Auferstehung nicht die Ruhe zugesagt, sondern den Frieden: Meinen Frieden gebe ich euch. Die Ruhe des Sabbat hat viel zu tun mit dem Frieden, dem Shalom, der ganz und vollständig sein lässt, weil alles, was es braucht, vorhanden ist. Für uns Christen kann der Sonntag auch verstanden werden als Tag des Ausruhens, des Ruhens im Shalom der Auferstehung, der vollen Wirklichkeit, die manchmal schon durchscheint und geschenkt wird.

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