baldeggerjournal

4 an zu ihrem Lebensvollzug. Sie sparte ihr Essen auf für die Armen. Dem Dienstpersonal schenkte sie die gleiche Freundlichkeit wie dem Bischof. Die materiellen Gaben und jene des Herzens und des Geistes teilte sie mit allen Frauen im Wohnturm, später mit den Schwestern der Gemeinschaft und den Armen der Stadt. Die Sehnsucht, ein Leben zu führen, das sich ganz Gott und damit der Liebe zu allen Menschen und allem Geschaffenen, im Besonderen den Armen verschreibt, leitete ihr Suchen. Sie kannte die Form nicht, mit der eine Frau dem spirituellen Aufbruch, wie ihn die jungen Männer der Stadt Assisi wagten, Gestalt geben könnte. Der erste mutige Schritt, der nächtliche Weggang aus dem Hause Favarone, führte nicht sogleich zum Ziel. Denn bei den Brüdern in der Portiunkula konnte sie nicht bleiben. Noch in der Nacht ihrer Flucht begleiteten Franziskus und seine ersten Gefährten Klara nach San Paolo delle Abadesse – in die nahe gelegene Benediktinerinnenabtei in Bastia. Dass die junge adelige Frau, – eine, die ihnen gleich ist – als Dienstmagd um Aufnahme bittet, könnte für diese Klosterfrauen eine Zumutung gewesen sein. Das Privileg der Abtei, Kirchenasyl zu gewähren, schützte sie aber vor dem Zugriff der Familie. Klara blieb wachsam, ihrer Suche nach dem Lebensort und der Lebensform treu. Sie horchte mit Mut auf die innere Gewissheit, wenn sie weiter zog und nicht an der äusseren Sicherheit festhielt, die San Paolo bot. Ihre innere Berufung drängte sie: die gemeinschaftliche Armut und die Christusverbundenheit in Einklang zu bringen. Bei den Waldschwestern von Sant’ Angelo di Panzo, bei Frauen, die wie Klara nach einer Lebensform suchten, die ihrer spirituellen Wahrnehmung entsprach – arm und von der eigenen Hände Arbeit den Glauben zu leben – finden wir ihren zweiten Aufenthaltsort. Ihre leibliche Schwester Katharina schloss sich ihr hier sechzehn Tage nach der Flucht an. Eine kurze, äusserst dichte Zeit im Leben von Klara. Eine Zeit, in der das Dranbleiben hart erprobt wurde. Zuerst der einsame Schritt, dann die Erfahrung, dass weder die Brüdergemeinschaft noch die Benediktinerinnen, noch die Waldschwestern Orte ihrer inneren Berufung waren. Und schliesslich eine geliebte und vertraute Gefährtin, mit der gemeinsam weitergesucht werden musste. Wo waren Franziskus und die Brüder in dieser bangen Zeit? In San Damiano schliesslich finden Klara und Katharina den Ort ihrer Bleibe. Hier war Franziskus die Erfahrung geschenkt, dass Gott ihm auf Augenhöhe begegnete. Hier fand die Frauengemeinschaft den Lebensort, wie Franziskus Klara von Assisi war eine Meisterin des Dranbleibens. Sie blieb ein Leben lang ihrer persönlichen Berufung treu. Die Licht- und die Schattenseiten in ihrem Leben hat sie tief durchlebt oder durchlitten, ohne dadurch die eigene Sendung aus dem Blick zu verlieren. Unermüdlich hat sie mit der Kirchenführung gerungen, um für die Lebensform von San Damiano die kirchliche Beglaubigung zu erreichen. Sie war eine Frau, die ihr Leben der Vision der Geschwisterlichkeit schenkte. Schwesterlichkeit war konkret in ihrer Gemeinschaft lesbar und auch erfahrbar im Miteinander mit den Brüdern, die bei San Damiano lebten, den Stadtbewohnern und den Armen. Ihr Testament ist die Formulierung ihrer Gottverbundenheit und das Vermächtnis für das Miteinander der Schwestern. Mit Entschiedenheit hat Klara seit Kindheit ein religiöses, ein an Gott zurück gebundenes Leben geführt. Ihr Schritt hinaus aus der Familie, die Entscheidung, sich dem Willen der männlichen Familienmitglieder zu widersetzen und zu entziehen, ist geworden und gewachsen. Aufgewachsen ist sie, wie damals üblich, im Wohnturm ihrer Sippe. Sie erhielt eine Frauensozialisation, wie es dem Zeitgeist der damaligen Adeligen entsprach. Die Frauen lebten unter sich. Die Erziehung und Ausbildung erhielten sie im Blick auf die von der Familie vorgesehene Aufgabe als Ehefrau eines Edelmannes. Klara lernte einen grossen Haushalt organisieren, handarbeiten und lesen und schreiben, sie beherrschte Latein. Weil sie schon als junge Frau viel für arme und kranke Menschen tat, war sie geachtet, ja geliebt. Das Teilen in jeder Dimension gehörte von Kind Sr. Beatrice Kohler, Baldegg baldegger schwestern Dranbleiben ... damit nichts dem geerdeten Himmel im Weg steht

RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=