5 es prophezeit hatte, als er die Kirche wieder aufbaute. Von San Damiano aus konnte man die Stadt sehen. Die Frauen lebten abgeschieden und doch in Sichtkontakt, in vertrauender Verbundenheit und in freier Abhängigkeit von den Brüdern und den Wohltätern in der Stadt. Hier blieb Klara ein Leben lang ihrer Gottsuche und der caritativen Begegnung mit den Menschen am Rande treu. Zusammen mit ihren Schwestern und in Verbundenheit mit einigen Brüdern, die in den Hütten bei San Damiano lebten. Diese besorgten stellvertretend für die Frauen den Betteldienst in der Stadt. Brotstücke sollten sie mitbringen. Geteiltes Brot verdoppelte Klaras Freude. San Damiano war ein Ort, der dem Aussen von innen her begegnete und es gestaltete. Das Leben der Gemeinschaft vollzog sich in einem Wechselspiel eines äusseren und eines inneren Lebens. Die Ursprünge der Schwesterngemeinschaft verbanden das aktive und das kontemplative Leben in eine Einheit. Klara blieb ein Leben lang daran, die Gegenwart Gottes ohne Unterbrechung zu suchen und zu lieben. Niemand und keine Tätigkeit konnte sie daran hindern. In einem ihrer Briefe an die heilige Agnes von Prag – einer seelenverwandten Frau – schrieb sie über das Dranbleiben: «Was du hältst, das halte weiter fest, was du tust, das tue weiter, lass nicht ab.» Klara ermutigt Agnes, sich den Widerwärtigkeiten und den Hindernissen, die ihr auch wohlwollende Kirchenmänner in den Weg legten, zu widersetzen und in Freiheit der persönlichen Berufung zu folgen. In einem anderen Brief an Agnes brauchte sie das Bild des Spiegels. Täglich schauen wir heute – oft sogar mehrmals – in das beschichtete Glas, um zu kontrollieren, ob wir auch geordnet erscheinen. Klara nannte den einen Spiegel für unser Leben: Jesus Christus selbst. In ihm gehören Himmel und Erde zusammen, denn Christus ist Gott und Mensch. Dass Klara in ihrer Regel nicht Gesetze und Normen, sondern die erprobte gemeinsame Lebensweise niederschrieb, zeugt vom liebenden Miteinander und vom gemeinsamen Suchen. Vom Verständnis der gemeinsamen Zugehörigkeit zu Jesus Christus in der Nachfolge des Weges, wie die Frauen von San Damiano sie lebten. Klara rang mit der Obrigkeit der Kirche. Die Frauen wählten wie die Brüder die Lebensform der gemeinschaftlichen Armut. Das Konzil 1215 beabsichtigte, die Aufbrüche der Armutsbewegungen zu kanalisieren. Jede Gemeinschaft sollte deshalb eine bestehende Ordensregel annehmen. Klara widersetzte sich der Aufgabe der Identität von San Damiano erfolgreich. Sie erwirkte das Privileg der Armut, das ihr und der Gemeinschaft erlaubte, ohne gemeinschaftlichen Besitz zu leben und keine Äbtissin haben zu müssen. San Damiano befreite sich von Macht und Besitz. Diese Aufgaben haben wir individuell und gemeinschaftlich auch heute. Sie ist uns ein Leben lang aufgetragen und fordert unser Dranbleiben, wenn wir dem Himmel nichts in den Weg stellen wollen. Klara ermutigt mich, meiner persönlichen Berufung nachzuspüren und zu vertrauen. Sensibel und wachsam zu sein, um Spannungen und Konflikte im Spiegel zu prüfen, Echtheit und Klarheit anzustreben, das Leben in Freiheit zu wagen.
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