6 Gemeinschaft Eucharistein, das europäische Institut Philanthropos und an Studentinnen der Universität vermieten wir die Zimmer des Bel-Abri. In Bourguillon fühle ich mich von der ersten Stunde an wohl, die Hausarbeiten entspannen, oft denke ich an den Strassenwischer bei «Momo», die Diskussionen mit den Studenten und Studentinnen bereichern; die Nikolaus- und die Weihnachtsfeier waren mit Charme, Esprit, Coeur gestaltet: Auf der Einladung wandelte Raffaels «Schule von Athen» mit den Gesichtern der Studierenden: Philosophie, Witz, klassische und moderne Musik, humorvolle Vorstellung der Professoren, denen knifflige Aufgaben gestellt wurden, lösten sich ab. Schliesslich ein einfacher und doch sehr festlicher Tisch, an dem Studierende, Professoren, Mitglieder des Ehrenkomittees, Zaungäste und Schwestern bunt durcheinandergewürfelt sassen. Im Haus Roseraie lebt die junge Gemeinschaft Eucharistein. Frauen und Männer, die seit zehn Jahren ein intensives Gebetsleben pflegen und hier ein Studenten-Foyer leiten; ich liebe ihren mehrstimmigen Laudes- und Vespergesang mit den freien Fürbitten und den vielfältigen AntwortGesängen, das französische Stundengebet ist melodiös. Diese Gemeinschaft nimmt sich auch der Menschen an, die an den Rand gedrängt sind. Der arbeitslose Schreiner ist hier ebenso daheim wie die Frau aus Burundi, deren ganze Sippe niedergemetzelt wurde. Im gleichen Haus üben junge hochbegabte Musiker, die von der Fondation Résonance (Elisabeth Sombart) gefördert werden und Konzerte in Heimen und Gefängnissen geben. Nicolas Buttet, Jurist, Politiker, Eremit, schliesslich Gründer von Eucharistein, war betroffen von der Erkenntnis, dass die Krise der Gesellschaft in Wirklichkeit eine anthropologische Krise ist. So reifte im Gespräch mit andern bewusst lebenden Menschen die Idee, ein modernes europäisches Institut zu gründen, das im Dienst der Einheit des Menschen steht und helfen will, eine Kultur der Liebe, der Wahrheit und des Lebens neu zu begründen und zu fördern. Seit 2004 bietet das Institut «Philanthropos» ein Studienjahr auf universitärem Niveau an, bei dem es um die Entdeckung dessen geht, was der Mensch als Mann und Frau in der ganzen Fülle der persönlichen Berufung ist. Seine Ziele sind intellektuell, spirituell und berufsorientiert ausgerichtet. 24 Studierende aus verschiedenen Ländern haben sich rasch zu einer echten Gemeinschaft gefunden, dank dem interessanten Studienprogramm, das aus Vorlesungen, Seminarien, praktischen Modulen, persönlichen Arbeiten, Gruppenarbeiten und einer Besinnungs- und Sportwoche auf dem Grossen St. Bernhard besteht. Auf den Herbst 2006 möchte das Institut auch Studierende aus den deutschDranbleiben – Ich höre Lessings «Nathan»: «Kein Mensch muss müssen.» (I,3) denn ich verstehe das Leben nicht als mühsames Arbeiten, sondern als Geschenk der Liebe mit festlichen, spielerischen Noten, auch Mollklänge und Dissonanzen sind akzeptiert. Wie wärAs mit «drinbleiben» oder einfach mit «bleiben»? «Bleiben» – dieses Verb fasziniert mich, seit Professor Marie-Dominique Philippe 1964 seine Schönheit bei Joh 1,39 darstellte: Der spätere Lieblingsjünger begegnet erstmals Jesus, fragt nach seiner Wohnung. Auf die Antwort: «Kommt und seht!» bleiben er und Andreas an jenem Tag bei ihm. Eine wegweisende Begegnung; noch in hohem Alter erinnert er sich genau an diese zehnte Stunde. Das bedeutet nicht nur 16 Uhr, sondern erfüllte Zeit, kairos. Bei Jesus bleiben – dies hat mich durch die 38 Jahre Schuldienst und jetzt in die neue Aufgabe begleitet: Kernfragen finden, sich nicht vom Sensationellen verführen lassen. Wesentliches bleibt in allem Wechsel: Am Morgen begrüsse ich in Fribourg den gleichen Morgenstern wie in Baldegg, er leuchtet wie alle Sterne intensiver, da das Klima weniger neblig, der Himmel blauer ist. Der Spaziergang führt nicht mehr zum See, sondern der Gottéron-Schlucht entlang oder über die sanften, weiten Hügelzüge der Fribourger Landschaft: «Die Frage erwartend/ flattert das Gras auf der Düne» (G. Eich «Strandgut»). Die täglichen Aufgaben sind vielfältiger, leben doch hier vier verschiedene Gruppen: Baldegger Schwestern, die Sr. Hildegund Kunz, Bourguillon baldegger schwestern Dran- Drin- In- Bleiben Sein. Im Gespräch mit Ehemaligen der Schule Baldegg
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