baldeggerjournal

7 sprachigen Ländern aufnehmen. Als Vorbereitung bietet es einen Intensivkurs Französisch an. Hier bin ich als Verbindungsglied zum deutschsprachigen Raum gefragt, auch bei der Vorbereitung von Kulturtagen arbeite ich in mir vertrauten Themen (Stiftsbibliothek St.Gallen, Bruder Klaus und die Eucharistie). Auf vielfältige Weise kann ich also meiner persönlichen Berufung treu bleiben oder wie Roger Schutz sagte, das Wenige, das wir erkennen, verwirklichen. Es ist wunderbar, wie vieles gefügt wird: Ein guter Kontakt besteht mit dem griechisch orthodoxen Priester und dessen Pfarrei, ebenso mit der unierten orthodoxen Gemeinde. Im Schwesternkreis betrachten wir die slawische Ikone «Muttergottes vom brennenden Dornbusch», die tiefgründigste Marien-Ikone; im Zentrum ist nicht nur das Jesuskind, sondern bei genauerem Hinschauen auch Christus als der Hohepriester zu entdecken. Helene Hoerni-Jung, die jüngste Tochter von C.G. Jung, hat sie im Buch «MARIA Bild des Weiblichen» eindrücklich interpretiert: Sie zeigt an Hand dieses Bildes, «was unser aller innerstes Kraftfeld, glühender Kern, Ebenbild Gottes, schönste Rose, Sinn des Lebens ist». Erinnert ihr euch, dass ich in vielem den Vielvölkerstaat der Donau-Monarchie bewunderte? Erzherzog Rudolf von Habsburg gehört zu den Hauptverantwortlichen des Instituts Philanthropos. Joseph Roths «Seine k. und k. Apostolische Majestät» kann hier im Park angesprochen werden; Schönbrunn in Bourguillon hätte ich mir nie träumen lassen. Roths Satz:» Denn er war ein Kaiser» ist für mich jetzt auf einer anderen Ebene Wirklichkeit. Verantwortungsbewusstsein im Sozialen, Kunstförderung und Bescheidenheit, Sinn und Achtung der kulturellen Vielfalt, ja Ehrfurcht vor den Menschen und vor Gott ... diese Eigenschaften können auch heute Politikern helfen, mit den drängenden Problemen der Zeit sinnvoll umzugehen. Gewiss gab es Schattenseiten in Österreich-Ungarn, aber die Kraft, in der Zeit eines wuchernden Nationalismus gegen den Strom zu schwimmen, war sehr gross. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich Erzherzog Otto für die Gründung des Europarates ein, den er auch präsidierte, jetzt fördern Habsburger junge Menschen, die bewusst in ihrem Beruf mithelfen wollen, die Erde lebensfreundlich zu gestalten. Ab und zu findet von 20.00 bis 23.00 Uhr ein Symposion mit fünf Managern statt. Jeder stellt die Firma oder den Konzern kurz vor und verdeutlicht, wie er versucht, in seinem Betrieb christliche Werte zu verwirklichen. Anschliessend formulieren die Studierenden Fragen. Ein intensiver Austausch. Am Schluss etwas Ungewohntes: Nicht nur die Studenten klatschen und danken, sondern auch die Referenten freuen sich, dass sie durch diese Begegnung mit andern Unternehmern auf ihrem Weg bestärkt worden sind. Am Lesezirkel über Dietrich Bonhoeffer nehme ich im Bildungszentrum Burgbühl teil. Schon beim ersten Austausch gab es tiefgründige Fragen, die sich gut mit Gedanken von Jean Gebser beantworten liessen. Im Sommer leiten Bruder Niklaus und ich wieder die Entdeckungsreise durch Thüringen, Sachsen und Hessen. Auf den Spuren der hl. Elisabeth und Martin Luthers begegnen wir vielen Aspekten der franziskanischen Spiritualität. Bleiben bedeutet mir: Immer wieder aufbrechen, den neuen Tag, die neuen Aufgaben willkommen heissen, Brücken mitbauen über die vielfachen Röstigräben der Welt – dadurch etwas von der wunderbaren Freiheit der Kinder Gottes verwirklichen und am Abend beim Betrachten des Sternenhimmels alles den liebenden Händen Gottes anvertrauen. Faszinierend ist das Leben, die Ganzheit der Schöpfung.

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