13 auf sein inneres Ziel schauen. Er will arbeiten. Er steht vor dem Angebot eines Arbeitsplatzes. Jetzt braucht er Hilfe im Umgang mit seiner überzogenen und irrealen Angst und konkrete Hilfe im Umgang mit seinen Gedanken. Sein Dranbleiben auf dem Weg zum Freiwerden von der Enge der Angst bedarf erst einer Grundentscheidung für das Ziel, den ihm angebotenen Arbeitsplatz anzunehmen. Entscheiden heisst aus Sicht der Logotherapie: ein doppeltes Ja sagen; ein Ja zur gewählten Sache, (das heisst in diesem Falle ein Ja zum konkreten Arbeitsplatz), und ein Ja zu dem damit verbundenen Preis, (ein Ja zum spezifischen Ort der Arbeitgeber-Firma und somit zur Konfrontation mit der Höhenangst). Wenn sein Ziel, die offerierte Stelle anzunehmen, möglichst differenziert und lockend vor seinem inneren Auge aufscheint, und wenn sein Ja ein mutig beherztes ist, bringen die konkreten Therapie-Schritte im Umgang mit seiner Angst Frucht. Je mehr ihn die Aufgaben verbunden mit diesem Arbeitsplatz locken, umso eher wird er bereit sein, das Unangenehme der Konfrontation mit seiner Angst in Kauf zu nehmen und ihm Stand zu halten. Es gilt also bei der Therapie nicht nur den Umgang mit der Angst im Blick zu behalten, sondern als Fundament allen Gelingens mit dem Patienten das Gesundungsziel immer neu zu betrachten und zu besprechen. Dranbleiben hat aus logotherapeutischer Sicht nicht so sehr zu tun mit dem Dranbleiben an äusseren Aufgaben, sondern in erster Linie mit dem inneren Dranbleiben im Schauen auf den Sinnhorizont und die dort wie Sterne leuchtenden Sinnziele. Nur wenn diese Ziele immer neu geschaut und betrachtet werden, bleiben sie wirksam, können sie ihre ursprüngliche Lockkraft entfalten, damit täglich neu der Wille wächst, sie zu erreichen. Drei Aspekte sollen beim lebensfördernden Dranbleiben bedacht werden: 1. Der Sinnhorizont eines Menschen soll mit ihm zusammen in sogenannten Sinnfindungsgesprächen auf Sinnziele hin ausgeleuchtet werden. 2. Es gilt herauszufinden, für welche Ziele dieser konkrete Mensch entscheidungsbereit und entscheidungswillig ist, damit er die Entscheidung für ein Sinnziel als doppeltes Ja zum Zielinhalt und dem dafür nötigen Preis treffen kann. 3. Der solcherart entschiedene Mensch geht den Weg auf das gewählte Sinnziel hin in der Willenskraft, die sich aus der Identifikation mit dem Ziel heraus immer neu bildet. Nur ein Sinnziel, das während des gesamten Weges lebendig gehalten wird, besitzt Dauerlockkraft und generiert die nötige Willensstärke, auch Schwierigkeiten zu bestehen. Die Garantiekriterien für das Gelingen alles sinnvollen Dranbleibens setzen sich zusammen aus der inneren Schau des Gewollten und der Doppel-Ja-Entscheidung für den Zielinhalt sowie den damit verbundenen Weg. Wenn diesen beiden Kriterien genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird und sie als gesichert gelten, halten sie auch Hindernissen auf dem Weg stand. Dranbleiben heisst demnach wesentlich: Ja sagen und den inneren Blick nicht vom Ziel abwenden. I Die hier vorgestellten Beispiele entstammen nicht meiner Praxis. Es handelt sich um verfremdete und tÞpisierte Beispiele aus der logotherapeutischen Literatur.
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