baldeggerjournal

14 Unser Leben im Kloster, also unsere besondere Lebensform als Schwestern in einer Ordensgemeinschaft, ist aufs Dranbleiben angelegt. Wir versprechen Gott und den Mitschwestern, das ganze Leben lang dranzubleiben. Dranzubleiben beim Beten und Arbeiten. Dranzubleiben beim Mittragen der Gemeinschaft. Dranzubleiben in guten und bösen Tagen. Dranzubleiben in Gesundheit und Krankheit. Dranzubleiben auch durch viele Veränderungen hindurch. Das gilt für die Baldegger Schwestern in der Schweiz und auch für jene, die sich für einen Dienst in Tanzania, in Papua Neuguinea, in Äthiopien zur Verfügung gestellt haben. Seit 1921 wirken Baldegger Schwestern in Tanzania, seit 1969 in Papua Neuguinea und seit 1985 in Äthiopien. Alle sind unter immer wieder neuen Umständen zum Dranbleiben herausgefordert und motiviert. Das Dranbleiben im missionarischen Auftrag bedeutet vor allem: Geduld haben, in Zuversicht leben, keinen sichtbaren Erfolg erwarten, das Nichtverstehen und Andershandeln akzeptieren. Nicht die eigenen Vorstellungen durchsetzen wollen, die andere Kultur wertschätzen. Im Hintergrund unterstützen, in den Hintergrund treten. Durch Glauben, Hoffnung und Liebe Vertrauen erwerben. Durch selbstlose und demütige Hilfe ermöglichen, dass einheimische Kräfte zum Zuge kommen. Weil auch die Baldegger Schwestern in der Schweiz am missionarischen Auftrag der Kirche dranbleiben, ermöglichen sie den Mitschwestern in der weiten Welt, ihn auf konkrete Art und Weise umzusetzen. Sie unterstützen sie Dranbleiben macht glücklich Sr. Martine Rosenberg, Baldegg geistlich und geistig und materiell, schenken ihnen Heimat zum Auftanken und Geborgenheit in Krankheit und Alter. Diese heimatliche Basis schafft die Voraussetzung für einen ganzheitlichen und selbstlosen Dienst an armen, notleidenden, benachteiligten, gedemütigten, ausgestossenen, kranken und dem Sterben ausgelieferten Mitmenschen. Unter ihnen sind vor allem Frauen und Kinder, Jugendliche und Betagte. Ich versuche nun, das Dranbleiben unserer Mitschwestern im Missionseinsatz an ein paar konkreten Beispielen zu veranschaulichen. Heute arbeiten noch 22 Baldegger Schwestern in Tanzania, sieben in Papua Neuguinea und eine in Äthiopien. Im Ganzen waren es um 150. Das zu den Baldegger Schwestern gehörende franziskanische Charisma lebt in den von ihnen gegründeten einheimischen Ordensfrauengemeinschaften weiter. Die folgenden Lebensausschnitte vermitteln nur einen sehr begrenzten Blick in eine grosse Welt des Glaubens und der Liebe, der Hingabe und der Treue – eben des Dranbleibens. Schwester Myriam Thalmann ist nach einem ununterbrochenen 60-jährigen Einsatz in Tanzania mit 88 Jahren ins Mutterhaus in die Schweiz zurückkehrte und als 93-Jährige hier gestorben. Sie verstand ihre missionarische Berufung als Dranbleiben in ständiger Treue, weit entfernt von daheim. Darum gönnte sie sich nie einen Heimaturlaub. Das hielt sie aber nicht davon ab, auch mit der Schweiz und ihren Mitschwestern in Baldegg in einzigartiger Treue und mit grossem Interesse verbunden zu bleiben. Durch Briefe und Bilder und Lektüre hielt sie sich auf dem Laufenden, nahm Anteil an den Sorgen und Freuden daheim und setzte sich gleichzeitig mit ganzer Hingabe für die ihr Anvertrauen in Tanzania ein. Im Jahr 1923 war sie abgereist. Obwohl bei ihrer Heimkehr kein einziges Klostergebäude mehr so war wie bei ihrer Abreise und viele neue dazugekommen sind, war ihr nichts fremd, sondern alles vertraut: die Schwestern und die Häuser und die klösterliche Tagesordnung. Denn nie hatte sie sich nur für das Neue und Andere interessiert, das sie in Afrika täglich erwartete und 60 Jahre lang beschäftigte, sie war auch am Leben in Baldegg drangeblieben. Das fasziniert mich noch heute. Schwester Edgara Tschirky lebt seit 57 Jahren in Tanzania. Als Lehrerin an der grossen internationalen St. Joseph’s School in Dar es Salaam hat sie nach Beendigung der Kolonialzeit die Nationalisierung aller Bildungsinstitutionen erlebt. Sie ist als einzige Europäerin im Auf und Ab der nun staatlichen afrikanischen Schule an Bord geblieben und hat miterlebt, wie alles, was mobil war oder abmontiert werden konnte, verschwunden ist. Sie ist drangeblieben und hat in allen Situationen ihren Religions- und Handarbeitsunterricht fortgesetzt und tut es noch heute, nachdem ein Teil der baldegger missionen

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