baldeggerjournal

Verein NARKO-NE für Suchtprävention wurde gegründet, und ich begann mit StudentInnen der Sozialarbeit und mit MittelschülerInnen Projektideen zu entwickeln. In engem Kontakt mit den Fragen und Nöten der Jugendlichen sind in vier Jahren vier Projekte entstanden: Die Telefonlinie Jugendliche für Jugendliche, das «Ältere Schwester/Älterer Bruder» Projekt für sozial benachteiligte Kinder, Interkulturelle Sommerkreativwochen in Gemeinden und ein zweijähriger Fachlehrgang für MultiplikatorInnen. Über 150 jungen Menschen, StudentInnen und MittelschülerInnen aus ganz Bosnien-Herzegowina sowie 25 StudentInnen der Hochschule für Kunst und Gestaltung, Zürich, haben wir bisher ein professionelles ehrenamtliches Engagement in ethnisch-religiös gemischten Gruppen ermöglicht. In ihrer praktischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie in der Medienöffentlichkeit machen sie sichtbar, dass wir nicht einem blinden Schicksal bzw. den Konsumzwängen, dem Nationalismus und den Traumata der Vergangenheit ausgeliefert sind, sondern dass wir lernen können, an Frieden und Gerechtigkeit in unserem eigenen Leben, in unserer Gemeinschaft und in Europa mitzubauen. NARKO-NE bietet drei jungen Absolventen der Sozialarbeit einen Arbeitsplatz. Gemeinsam versuchen wir, nachhaltige Organisations-, Finanzierungs- und Managementstrukturen aufzubauen. Am 19. November 2005 wagen wir uns mit den Resultaten unserer bisherigen Arbeit an die Öffentlichkeit. Zusammen mit Jugendlichen führen wir in Sarajevo die erste nationale Konferenz für Suchtprävention und Jugendarbeit durch.¹ Das Verheissungsvolle, Neugierweckende und Bezaubernde des Anfangens war für mich der «Lockstoff», von der Schule Baldegg aus in ein unbekanntes Land aufzubrechen. Doch das Schreiten auf der Luft folgt andern Gesetzmässigkeiten. Es verlangt das Aufgeben aller Illusionen und naiven Hoffnungen auf politische und wirtschaftliche Gerechtigkeit, es sieht mit nüchternem Blick die eigenen Schwächen und Grenzen. In der Begegnung und Zusammenarbeit mit Menschen, die einen Krieg, das absolute Böse, mit all seinen Folgen durchgemacht haben, wird mir selbstmitleidiges Kreisen um mich selber rasch bewusst. Sie erzählen nicht gern davon, doch manchmal lassen sie mich an ihren Traumata, Ängsten, Wunden und Verbitterungen teilnehmen, am Verlust von Vätern, Brüdern, Ehemännern, an Wochen und Monaten im Keller unter Granatenbeschuss, am Entsetzen von Vergewaltigungslagern, an der Angst vor den eigenen Nachbarn, an der Unfähigkeit zu verzeihen und neu anzufangen, am Verlust von Geborgenheit und Vertrauen in der Familie … In solchen Begegnungen kann es geschehen, dass das Ich, völlig vergessend, was sein eigenes Herz schwer macht, seinen Fuss in die Luft setzt – und getragen wird. Jugendarbeit in Sarajevo 1 Im nächsten halbjährlichen Rundbrief anfangs Dezember werde ich davon erzählen. Wenn Sie ihn erhalten möchten, können Sie mir Ihre Postadresse per eMail angeben: mschildknecht@gmx.net

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