baldeggerjournal

5 sich eine kleine Gruppe zum Gebet. Sarah, eine Lehrerin, zeigte Initiative: «Wir wollen zum Trauerhaus gehen und mit den Angehörigen beten und reden». Auf die nächsten Verwandten komme es an, ob sie den Krieg weiterführen wollen oder nicht. Es wurde ein eindrücklicher Abend. Wir beteten mit den Angehörigen an der Bahre des jungen Mannes. Dann hörten wir den Verwandten eine Weile zu. Sie drückten ihre Wut und ihren Schmerz aus. Sie wollten, dass der Krieg endlich aufhöre. Sie wollten am folgenden Tag ein normales Begräbnis abhalten. Wir waren erleichtert. Wenn sie den Toten in einer Felsenhöhle beigesetzt hätten, wäre es das Zeichen für erneute Rache gewesen. Auch die Polizei griff ein. Sie verhafteten einen Kampfführer und einen Gehilfen. Das gab neue Spannungen, weil der Anführer auf der andern Seite auf freiem Fuss war. Weitere Angriffe dauerten bis November. Für den 1. Januar 2000 waren wir für einen feierlicher Gottesdienst zur Eröffnung des Heiligen Jahres eingeladen. Doch wie konnten wir daran teilnehmen als zerstrittene Pfarrei? Es wurde diskutiert und geplant. Am frühen Morgen des 31. Dezembers begannen wir unsere Wallfahrt. Wir pilgerten von Det nach Onja. Es war ein sehr eindrücklicher Moment, als uns die Gruppe aus Poroma singend entgegenkam. Sechs Jahre lang waren sie einander Feinde gewesen. Es folgte eine Versöhnungsfeier, bei der beide Seiten als Zeichen des Friedens ein grosses Kreuz austauschten. Wir alle waren beglückt über diesen neuen Schritt auf dem Weg zum Frieden. Dann machten sich etwa 300 Leute weiter auf den Weg nach Mendi. Gegen Abend kamen wir in Yore an. Dort wurden wir für die Nacht erwartet. Es begann ein Singen und Tanzen. Ich staunte über diese Energie nach dem langen Fussmarsch und beobachtete das fröhliche Treiben. Plötzlich sah ich einen wunderbaren Regenbogen. Er verschwand und kam wieder zurück. Er verschwand wieder und kam noch zum dritten Mal zurück, in seiner vollen Pracht. Hoffnung und Zuversicht erfüllten mich noch mehr. Es war stockdunkel, als wir uns auf den Weg machten. Die Jubiläumsmesse zum Anfang des Jahres 2000 wurde für uns alle zum tiefen Erlebnis. Wiederum rief der Bischof zu Frieden und Versöhnung auf. Am folgenden Sonntag waren die Leute von Poroma für die Festmesse in Det eingeladen. Ein Kirchenrat von Det fuhr mit einem Priester nach Poroma, um sicher zu stellen, dass die Leute gefahrlos nach Det kommen konnten. Zwei ehemalige Kriegsführer gingen der Gruppe von 60 Leuten voran. Das gab Anlass zum Staunen. In Det wurden sie freundlich willkommen geheissen. Nach dem Gottesdienst servierten sie auf dem Marktplatz erfrischende Getränke. Das war ein mächtiger Schritt vorwärts. Nun wagten die Leute von Poroma wieder, die einzige Strasse nach Mendi zu benützen. Das war für Jahre unmöglich gewesen. Am 1. und 2. März 2000 traf sich Raymond Ton wieder mit den Führern in Tamanda und Det. Auf beiden Seiten wurden die Fortschritte seit April 1999 besprochen. Die Zeit schien nun reif für gemeinsame Verhandlungen. Diese wurden schon zwei Wochen später in Mendi ermöglicht. Es war ein ergreifender Moment, als Kampfführer von beiden Seiten zusammen im gleichen Saal sassen. Ich sehe noch die jungen Männer vor mir, die aufstanden und den KriegsKutubu, Papua Neuguinea

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