8 Sr. Renata Geiger, Baldegg Es wäre spannend ein Interview zu starten mit der Frage «Wie stehen Sie zu der Aussage: ´Franziskus – ein Anfänger´?» Der Antworten wären wohl viele von Ablehnung bis Zustimmung. Was aber würde der hl. Franz dazu sagen? So wie ich ihn kenne, würde er zustimmen und uns heute sagen: «Anfangen, anfangen und nochmals anfangen – das war mein Leben.» Franziskus war ein Anfänger – lebenslang, er ist für uns ein Vorbild des Anfangens. Was ist denn anfangen? Welche Voraussetzungen sind notwendig, um ein Leben lang immer wieder anfangen zu können? Den Impuls zum Anfangen, so glaube ich, gibt die Sehnsucht. Ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry kann diese Behauptung belegen: «Wenn du ein Schiff bauen willst, suche nicht Holz und Handwerker, suche Männer (und Frauen), die die Sehnsucht nach dem weiten Meer im Herzen tragen.» Im Anfang ist immer etwas von der Ursprungssehnsucht da. Der Anfang weist tief in das Göttliche hinein: «Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.» Der Anfang ist verborgen im Jetzt, aber er weist uns den weiteren Weg. Das Gelingen hängt wesentlich von einem mutigen Anfangen ab. Der hl. Augustinus sagt einmal: «Die erste Stunde ist wie das Steuer des Schiffes. Es weist uns den Weg.» Franziskus war ein Mann der Sehnsucht. Diese Sehnsucht hat ihren Ursprung in seiner Gotteserfahrung. Die Begegnung mit dem grossen Gott lässt ihn sein eigenes Kleinsein erfahren, lässt ihn immer wieder spüren, dass er erst am Anfang ist – ein Leben lang. Schauen wir noch etwas genauer nach bei Franziskus. Nachdem er alles losgelassen hat, was sein bisheriges Leben erfüllte, möchte er anfangen. Aber er weiss nicht wo und wie. So betet er in der kleinen Kirche von San Damiano vor dem Kreuz voll Sehnsucht: «Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle. Amen.» Und Gott erhört seine Bitte. Franziskus hört die Stimme des Gekreuzigten: «Franziskus, stelle mein Haus wieder her! Siehst du nicht, wie es zerfällt?» Und er schaut sich um und sieht: Die Kapelle zerfällt wirklich. So antwortet er: «Gerne will ich es tun». Und er fängt an. Er stellt kein Projekt auf die Füsse, er tut das für ihn Nächstliegende. Als reicher Kaufmannssohn denkt er zuerst an das nötige Geld. Er nimmt ein paar Tuchballen aus dem Laden des Vaters und verkauft sie. Das Geld bringt er dem Priester von San Franziskus – der Anfänger baldegger schwestern Franziskus von Assisi
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=