10 «An einem schönen Morgen des Monats Mai durchritt eine elegante Amazone auf einer wunderbaren Fuchsstute die blühenden Alleen des Bois de Boulogne.» Im Roman «Die Pest» von Albert Camus kommt die Hauptfigur «Grand» nicht über diesen Anfangssatz hinaus. Anders erlebe ich das Anfangen: beflügelnd und verführerisch, zauberhaft und lustvoll! Auch das Verfassen dieses Artikels. Viele Ideen tauchen auf, Stichworte und Notizen, Blatt um Blatt reihen sich aneinander. Im Anfang schlummert viel Verborgenes: Im Anfang war das Wort Im Anfang war das Chaos Im Anfang war der Konflikt Im Anfang ist die Beziehung Im Anfang ist das Wort. Anfang und Ende Die Alltagserfahrung zeigt uns den Zusammenhang zwischen einem Anfang und seinem Ende auf. Alles was anfängt, geht zu Ende. Wir werden geboren und wir sterben. Beziehungen entstehen. In ihnen liegt der oft zitierte Zauber des Anfangs. Wohl darum fällt es mir manchmal schwer, mich wieder zu trennen, Abschied zu nehmen von lieben Menschen. Das habe ich diesen Sommer mit dem AdieuSagen, beim Verabschieden der letzten Seminaristinnen und der Lehrpersonen intensiv erfahren. Das Dialogische Die Tugend des Anfangens Sr. Mirjam Schwegler, Hertenstein in der Begegnung, wie Martin Buber es im «Ich und Du» beschreibt, ist ja nicht ein Inhalt, sondern eine Kraft, die der Mensch in der Gegenwart, im Jetzt, empfängt. Diese abzugeben und loszulassen macht einsam, schmerzt. Das spürte ich. Anfang und Ende und noch einmal anfangen Mit meiner neue Aufgabe als Direktorin unseres Bildungshauses Stella Matutina in Hertenstein hatte ich zwar bereits im August 2004 angefangen. Gleichzeitig führte ich als Schulleiterin unsere letzten Studierenden am Hauswirtschaftslehrerinnenseminar Baldegg zum Diplom. So war ich nach den Sommerferien 2005 in Hertenstein wieder am Anfangen. Einiges war mir schon vertraut. Anderes lerne ich täglich dazu. Ich kann mich nun ganz einlassen, da ich nicht mehr an zwei Schauplätzen tätig bin. Der Tagesrhythmus und die Wochenstruktur ist anders in einem Bildungshaus als in einer Schule. Der fixe Stundenplan als Lehrerin strukturierte mich anders als die geforderte Präsenz im Bildungshaus. Die intensiven Zeiten des fordernden Schulalltags waren aufgelockert durch Ferien und unterrichtsfreie Zeiten. Ein Bildungshaus fordert mehr Flexibilität mit dem ständigen Wechsel der Gäste und der Vielfalt der Aufgaben. Das endlose Anfangen Was kommt den ganzen Tag auf mich zu? Die Liste der Tätigkeiten, der Begegnungen, der abwechslungsreichen Aufgaben ist lang: Eine Kursgruppe, die neu ins Haus kommt, begrüssen und sie ins Haus einführen, damit sich die Kursteilnehmenden bald zu Hause fühlen und gut arbeiten können. Sitzungen mit der Bildungsleitung halten. Mit den Verantwortlichen der Administration, des Speisesaals, der Hauswirtschaft, der Medien, mit dem Hauswart Rückschau halten auf die vergangene Woche und auf die nächste vorausschauen. Saatkreuz baldegger bildungshaus
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