12 Alles eine Frage der Überzeugung Dicker Nebel liegt über Baldegg. Kaum zwanzig Meter weit sieht man. Die ganze Weite des Tals verschluckt vom dichten Weiss und der Dunkelheit der Nacht. Drinnen in der Stube des Bauernhauses ist es hell und warm. Ich treffe mich mit meiner Schwägerin und meinem Bruder. Seit dem 1. Januar 2004 sind Lydia Frey Unternährer und Ueli Unternährer Pächter des Klosterbetriebes in Baldegg. Was bewegt das Paar mit ihren zwei kleinen Kindern den elterlichen Hof Mättiwil am Vierwaldstättersee nahe von Luzern zu verlassen, um in Baldegg einen Neubeginn zu wagen? «Es ist schon so, für viele Freunde und Bekannte war unser Entscheid wegzugehen nicht nachvollziehbar. Wir lebten im Mättiwil zusammen mit unseren Eltern bzw. Schwiegereltern auf einem gut organisierten und sehr schönen Betrieb. Auswandern und in der Fremde eine neue Existenz aufbauen stand bei uns nie zur Diskussion. Eine gewisse Abenteuerlust oder eben jugendliche Unvoreingenommenheit besitzen wir schon, nur leben wir sie hier bei der Arbeit aus,» meint Ueli Unternährer, und seine Frau Lydia Frey erzählt weiter: «Eine Anfrage des Klosters Baldegg, ihren Landwirtschaftsbetrieb zu führen, liess uns erst einmal leer schlucken. Ein solches Angebot würden wir wohl kein zweites Mal erhalten. Der Entscheid unseren Umzug in die Wege zu leiten war dann schlussendlich auch keine Frage des Mutes. Wir wollten die Aufgabe annehmen und den Neu-Land Frau Ursi Unternährer, Luzern Betrieb auf dem Klosterhof führen. Das Projekt Baldegger Klosterdorf beschäftigte uns nämlich schon seit längerer Zeit. Auf diesem grossen Betrieb so viel Spielraum zur Umsetzung unserer Visionen zu haben und mitten drin zu sein, lockte uns.» Anfang ist Abschied «Neuanfang hat für mich mit loslassen zu tun. Nicht dem Alten nachtrauern und nachhängen», erzählt die Bäuerin, «darum war für mich die grösste Entscheidung auch, ob ich mein soziales Netz, meine bisherige Arbeit aufgeben und mich auf etwas Neues einlassen wollte. Zu Beginn vermisste ich die Nachbarinnen und die Kaffeerunden mit ihnen oder den Schwatz mit andern Bewohnern auf dem Hof. Ich habe mich schon etwas einsam gefühlt. Inzwischen hat sich das aber gelegt. Ich schätze die Begegnungen und die Gespräche mit den Baldegger Schwestern sehr.» «Das Heimweh hat mir am meisten Mühe bereitet», sagt Ueli Unternährer, «und dann fehlt mir der Austausch mit meinem Vater bei der Arbeit. Manchmal haben wir schon um sechs Uhr in der Früh im Stall geredet. Heute telefonieren wir zwar oft zusammen, doch das ist nicht das Gleiche. Ja, und ab und zu vermisse ich auch noch etwas die Stadt.» Alles Neu Die erste Zeit sei sehr hart gewesen. Alles neu. Kein Handgriff mehr wie vorher. In vielen Sachen war das Bauernpaar völlig unerfahren. Ganz neue Aufgaben galt es anzupacken, Personal zu führen, sich in der neuen Umgebung einzuleben, an unbekannte Arbeitsabläufe zu gewöhnen. Auch im Haus war alles anders. Man musste sich an tägliche Gäste bei Tisch gewöhnen, den Kindern und sich selbst ein neues Zuhause einrichten, sich mit Gebrauchsanleitungen der Geräte herumschlagen. Zweifel seien da schon auch aufgekommen, vor allem nach langen Arbeitstagen, als beide oft müde und erschöpft waren, hätten sie sich gefragt, ob sich dieser ‹Krampf› überhaupt lohnen würde. Die Sache so viel Mühe überhaupt wert sei. Auch das Wissen darum, dass die baldegger klosterdorf Familie Unternährer, Klosterhof, Baldegg
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