baldeggerjournal

15 Diese Bedürfnisse suchen die Menschen zu befriedigen, und auf ihrer Basis ist es möglich, über die Erfahrung menschlicher Liebe und Güte hinaus die Liebe und Güte Gottes zu erahnen. Auf der Suche nach der Erfüllung der existentiellen Sehnsüchte treffen wir heute auf ein immer ausgeklügelteres System von Angeboten, die vorgeben, uns glücklich zu machen. In Wirklichkeit sind es aber leere Versprechungen, die keine Erfüllung schenken. Die Werbeindustrie offeriert Sexualität statt Liebe und oberflächlichen Genuss statt wirklicher Befriedigung. Im beruflichen und sozialen Konkurrenzkampf machen Menschen die Erfahrung, dass ihnen jede Anerkennung abgesprochen wird, sobald sie nicht mehr den auf Eliminierung des Konkurrenten ausgerichteten Kriterien des Systems genügen. Das Zeigen von Güte gilt als Schwäche oder wird ersetzt durch bezahlte und tariflich fixierte Dienstleistungen. Wo soll der Mensch in einer so orientierten Gesellschaft zur Erfüllung seines eigentlichen Lebenssinnes kommen? Wie soll es je möglich werden, die grundlegenden Bedürfnisse des Herzens zu befriedigen? Wie soll über jene Sehnsüchte hinaus der Weg zu Gott gefunden werden? Die existentielle Situation vieler Menschen ist geprägt von Frustration und Unzufriedenheit. Oft sind sie sich dessen gar nicht bewusst. Dieser Zustand aber äussert sich in zunehmender Aggressivität gegenüber den Mitmenschen, in Sinnverfehlung und immer verzweifelterem Suchen nach Erfüllung von Bedürfnissen, deren Inhalt die meisten Menschen nicht einmal kennen. Dadurch vergrössert sich ihre Frustration. Diese wird durch immer neue Angebote der Konsumindustrie überdeckt. Der Mensch, ein Sinnsuchender ohne Sinn. Ein Verdurstender, der verzweifelt Wasser schluckt; aber das Wasser, das ihm angeboten wird, ist salziges Wasser aus dem Meer. Sein Durst wird grösser, je mehr er trinkt. In dieser Situation befinden sich heute viele Menschen, ohne es zu wissen. Sie sind umgeben vom Meer, aus dem ihnen in goldenen Bechern Wasser zum Trinken angeboten wird. Und sie trinken und trinken ohne den Durst je löschen zu können. Sie haben aus den Augen verloren, dass es auch Süsswasserquellen gibt. Eine solche Quelle bräuchten sie. Eine solche Quelle suchen sie. Eine solche Quelle müssen sie finden. Der Ort, wo man sie finden könnte, kann das geplante Baldegger Klosterdorf sein. Eine Insel im Meer. Eine Alternative im Jahrmarkt der falschen Versprechen von Glück. Ein Ort der Sinn-Erfüllung, geprägt von Liebe und Freundschaft, von gegenseitiger Achtung und Anerkennung, von Güte und Verstehen. Ein Ort, wo jede und jeder sich wohl fühlt, weil sie wissen, dass sie so sein dürfen wie sie sind. Ein Ort aber auch, wo der einzelne Mensch spürt, dass er authentische Antworten finden kann auf seine Fragen. Ein Ort, der Wege öffnet und neue Horizonte zeigt, auf die zuzugehen sich lohnt. Ein Ort, wo die Einsamkeit des eigenen Herzens überwunden werden kann durch die Begegnung mit Anderen, durch die Öffnung auf die Anderen hin. Mit einem Wort, ein Ort, an dem man Mittel findet, um sein Leben zu bereichern; an dem man einander begegnen kann in Freundschaft und Liebe. Wo man Anerkennung findet und Gemeinschaft. Es sind Mittel die helfen, den eigentlichen Sinn und die Bedeutung der eigenen Existenz zu entdecken. Es sind Mittel die helfen, eventuelle Lebenskrisen zu bewältigen. Und am Ende sind es auch Mittel, durch die Menschen in neuer und packender Weise wieder den Glauben an Gott entdecken können und mit dem Glauben auch die Freude an der Kirche. Das alles und vieles mehr möchte das Baldegger Klosterdorf sein. Es sieht sich als zeitgemässe Fortsetzung einer Jahrtausende alten Tradition. Diese Tradition soll in neuer Weise gelebt werden als Aufbruch in eine Zukunft, die wir noch nicht kennen, von der wir aber mit Sicherheit wissen, dass Gott sie uns zeigen wird.

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