6 Vom Gehen und manchmal nicht mehr zurückkommen Die Baldegger Schwestern und Tansania Die Baldegger Schwestern sind ein franziskanischer Orden mit dem Mutterhaus im Kloster Baldegg, wo heute fast alle Schwestern leben. Klöster sind Orte der Stabilität, in die man als Schwester eintritt, um zu bleiben, – könnte man meinen. In den letzten 103 Jahren sind aber viele Baldegger Schwestern aus dem Seetal weggegangen, um ihre Arbeit an verschiedenen Orten in der Schweiz, aber auch in Afrika und in Papua-Neuguinea aufzunehmen. Marita Haller-Dirr hat als Historikerin im Auftrag der Kapuzinerprovinzen Schweiz und Tansania während mehreren Jahren die Missionsarbeit der Brüder und Schwestern in Tansania erforscht. «In den Jahren dieser Forschungsarbeit bin ich oft nach Afrika gereist und kenne die Geschichte der Baldegger Schwestern und deren Nachfolgekongregationen in verschiedenen Gebieten des Landes aus der eigenen Erfahrung.» Marita Haller-Dirr war 1991 zum ersten Mal in Tansania: «Ich musste mich als Missionarin ausgeben, damit ich einreisen konnte. Als Lehrerin hätte ich keine Aufenthaltsbewilligung erhalten.» Da sie bei den Baldegger Schwestern in Msimbasi, dem franziskanischen Zentrum in der Hauptstadt Daressalam wohnte und arbeitete, war das kein Problem. «Ich habe damals in einem kleinen Häuschen gewohnt, das Archiv des Ordens befand sich in einem Schuppen beim nahen Kapuzinerkloster und wurde in einigen Kisten gelagert. Dort habe ich auch immer wieder Besuch von Tieren erhalten: Die exklusivsten waren ein Affe und ein Waran, wobei mir das Reptil schon ein wenig Angst gemacht hat.» Dass die Schwestern mit den Kapuzinern 1921 nach Afrika gingen, ist Teil der Kolonialgeschichte. Ursprünglich gehörte Ostafrika zu den Kolonialgebieten Deutschlands, und die Deutschen hatten schon im 19. Jahrhundert mit der Missionstätigkeit angefangen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie aus politischen Gründen von der englischen Mandatsregierung ausgewiesen, und die Schweizer Kapuziner wurden ihre Nachfolger. Diese wussten, ohne Frauen geht das nicht, und haben die Baldegger Schwestern angefragt, die damals noch nicht in der Mission tätig waren. Die Generaloberin Sr. Aemilia Schürmann hat sofort zugesagt, und die ersten sechs Schwestern bis nach Rom begleitet, von wo aus sie das Schiff für ihre Reise nach Afrika bestiegen, nicht ohne vorher vom Papst gesegnet zu werden. Marita Haller-Dirr erklärt: «Damals war es eigentlich klar, dass die Schwestern wahrscheinlich nie mehr zurückkehren würden, es war ein Abschied für immer. Eine der ersten Schwestern, Sr. Adelina Hofstetter, ist dann auch schon nach sechs Wochen in Daressalam an Typhus gestorben.» Erst nach dem Zweiten Ein Gespräch mit Marita Haller-Dirr, Stans Sr. Innozentia und Sr. Valentina geben Leprakranken Spritzen, Kwiro Sr. Innozentia Hürlimann im Hospital, Kwiro
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=