7 Weltkrieg wurde es möglich, dass die Schwestern auf Heimaturlaub zurückkommen oder im Alter nach Baldegg heimreisen konnten. Während die Schwestern unterrichteten und soziale Aufgaben erfüllten, waren es die Kapuziner, die in der eigentlichen Missionsarbeit tätig waren, der Christianisierung des Landes. Die Schwestern bereiteten ihnen durch ihre Nähe zu den Menschen den Weg. Die Baldegger Schwestern beschränkten ihre Tätigkeiten nicht auf Daressalam, sondern gründeten weitere Standorte in Tansania: «Schon 1922 machten sie sich zu einer Expedition ins Innere des Landes auf, nach Kwiro, wo sie lange Zeit tätig waren. Die Reise war beschwerlich, auch wenn die Schwestern teilweise getragen wurden. Sie mussten alles mitnehmen, Zelte und Nahrungsmittel, die von Maultieren, aber auch von vielen tansanianischen Trägern transportiert wurden.» Die Baldegger Schwestern gründeten in Tansania zwei franziskanische Ordensgemeinschaften: In Mahenge die «Franciscan Sisters of Charity», die heute mit gut 300 Schwestern ein grosser Orden sind, und in der Hauptstadt die Dada WadogoSchwestern («Little Sisters of St. Francis») mit 100 Schwestern, die die Arbeit der Baldegger Schwestern weiterführen. Die Beziehung von Baldegg zu den afrikanischen Nachfolgegemeinschaften ist bis heute eng, die afrikanischen Schwestern werden von den Schweizer Schwestern unterstützt, sind aber vollkommen selbstständig. Heute, in Zeiten der Krise der Kirche in Europa, wächst der Katholizismus hauptsächlich im globalen Süden und insbesondere in Afrika. Kehrt sich nun die Geschichte um? Kommen die afrikanischen Ordensleute als Kloster-Nachwuchs oder als Priester in die Schweiz? «Es gibt Orden und Gemeinschaften, die heute ihre Zukunft mit jungen Schwestern oder Brüdern aus Afrika bewältigen wollen», weiss Marita Haller-Dirr. «Ich halte das häufig für nicht zukunftsträchtig und problematisch.» Heute ist nur noch eine Baldegger Schwester in Tansania tätig, Sr. Denise Mattle führt ein grosses Montessori-Zentrum in Mwanza am Viktoriasee. Zum Schluss unseres Gesprächs frage ich die Historikerin, was wir über die afrikanische Perspektive wissen, wie sind die Schwestern damals in Tansania gesehen worden, was ist ein aktueller Blick auf die Missions- und Kolonialgeschichte? «Ich habe von meiner Forschung her die Vision einer interkulturellen afrikanisch-europäischen Geschichtsbetrachtung verfolgt. Diese Geschichte ist aber bezüglich der Kapuziner und der Baldegger Schwestern noch nicht geschrieben, ich arbeite selbst seit langem daran.» In den nächsten Jahren wird die Geschichte vom Kommen und Gehen der Baldegger Schwestern zwischen der Schweiz und Afrika aller Voraussicht nach enden, insgesamt wirkten 125 Schwestern in Tansania. In den letzten Jahren hat sich nun eine neue Perspektive ergeben: Die Arthur Waser Stiftung in Luzern arbeitet in Tansania mit den Nachfolge-Gemeinschaften der Baldegger Schwestern und anderen Klöstern zusammen, um sie in Bildungs-, Sozial- und Landwirtschaftsprojekten zu unterstützen. So findet die lange Beziehung zwischen der Schweiz und Tansania eine vielversprechende und nachhaltige Fortsetzung. Oben: Gruppenbild in Daressalam vor der Expedition nach Kwiro, 1922; rechts oben: Vor dem Spital in Msimbasi; rechts unten: Sonntagsspaziergang in Msimbasi (Daressalam) Gabriela Christen
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